"Die Bomberjacke hat ausgedient"

Rechtsextremisten verzichten in Witten auf Demos und rekrutieren Nachwuchs in Wohnungen - Vortrag vor Job suchenden Jugendlichen.
"Sie geben Nähe. Sie sind immer da. Die Jugendlichen können bei ihnen übernachten, wenn sie zu Hause Stress haben."

Heribert Seck, Polizist beim Dortmunder Staatsschutz, spricht nicht etwa von Oma und Opa, von Nachbarn oder Freunden. Er meint Rechtsextremisten. Menschen, die andere Menschen aufgrund ihrer Herkunft für minderwertig halten. Die sich mit Genuss für ihre Gesinnung schlagen, rechte Parteien wählen und es genießen, Angst und Schrecken zu verbreiten. "Wenn die Gesellschaft den Jugendlichen Anerkennung verweigert, holen die Rechten unsere Jugendlichen ab!" Es ist eine einfache Formel, auf die Seck es bringt, aber rund 40 Prozent aller Rechtsextremisten kommen aus "unvollständigen Familien", so der Staatsschützer zu Beginn seines Vortrages rund um die rechte Szene.

Diesem Referat lauschten 14 Jugendliche, die bei der Qualifizierungs- und Beschäftigungsgesellschaft der Diakonie, Quabed, den Unterricht besuchen. Die Jugendlichen bekommen Arbeitslosengeld 2. Sie haben noch keinen Beruf gelernt, einige haben einen Hauptschulabschluss, andere auch die Fachoberschulreife. Der Vortrag gehört zur Ausbildung, die die Quabed ihnen angedeihen lassen will."

Das Thema Ausgrenzung kennen sie alle", bekräftigt Quabed-Projektleiterin Nicola Fitzek. Seit Oktober drücken die Jugendlichen nachträglich die Schulbank in Fächern wie Deutsch und Mathe. Dazu werden sie in Sachen Bewerbung und Kommunikation trainiert. 30 Stunden pro Woche nimmt das insgesamt in Anspruch. "In dieser Woche läuft der Themenbereich Radikalismus", so Fitzek.

Teilnehmer Manuel Huland sucht nach einer Stelle als Maler oder Koch. Doch mehr als ein sechswöchiges Praktikum wollte noch kein Betrieb springen lassen. Ein anderer will Schuhverkäufer werden, ein Dritter Elektroniker. Erfahrungen mit Rechten haben die meisten schon gemacht. In der Diskussionsrunde mit dem Polizisten Seck und mit der Jugendhilfe-Mitarbeiterin Silvia Eilhardt bleiben sie aber stumm. "Die meisten wollen nichts sagen, weil sie Angst vor der rechten Szene haben", sagt Nicola Fitzek.

"In keiner Szene ist der Bildungsgrad niedriger", attestiert Heribert Seck den Rechten. Nur 1,5 % hätten Abitur, einen Hochschulabschluss gar nur 0,1 %. Auf Anhieb seien die Rechten kaum noch zu erkennen: "Bomberjacke, Springerstiefel gibt´s nicht mehr. Die tarnen sich auch mal mit einem Che-Guevara-Pulli."

Text: von einem gewissen Tim (19.März 2007)

Züruck