Witten.
Parteiübergreifend und relativ spontan wurde am Samstag (15.8.) in der City gegen einen Info-Stand der NPD demonstriert.
Die heiße Phase des Wahlkampfs hat begonnen. Am Samstag (15.8.) stellten sich Parteien und Bündnisse auf der Bahnhofstraße den Bürgern vor. Auch die NPD war mit einem Stand vertreten. Die Veranstaltung gipfelte in einer mehr oder weniger spontanen Protestaktion der „Antifa Witten” und des „Bürgernetzes für Witten”. Fast alle demokratischen Parteien solidarisierten sich gegen die Rechtsextremen.
Schräg gegenüber dem SPD-Stand an der Kreuzung Bahnhof-/Ruhrstraße schlug die im Stadtrat mit zwei Mandaten vertretene NPD ihr Zelt auf. Der SPD-Bundestagsabgeordneten Christel Humme war das ein Dorn im Auge. „Wir demokratischen Kräfte müssen gemeinsam was gegen diese rechte Partei tun”, sagte sie. Mit einem Stück Kreide malte sie die Worte „Nazis raus” auf den Asphalt.
Gegen 12 Uhr wurde es dann turbulent. Etwa 30 junge Aktivisten der „Antifa” – teils schwarz vermummt – rückten an. Sie skandierten „Alerta, alerta” (Vorsicht, Gefahr), „Antifascista” sowie „Buchenwald, ich kann Dich nicht vergessen”. Dabei hielten sie ein Plakat mit der Empfehlung „Nazis ins Weltall schießen” hoch. Die Jusos hatten ebenfalls Schilder vorbereitet. Sie warnten vor „braunen Flötentönen”. Ganz spontan war der Protest also offenbar doch nicht.
Eine parteiübergreifende Allianz gegen die Rechtsextremen – von der CDU bis zur Linkspartei waren alle vertreten – bildete eine Menschenreihe auf der Bahnhofstraße, die von den NPD-Sympathisanten lachend als „antifaschistischer Schutzwall” bezeichnet wurde.
Die Polizei war zwar vor Ort, musste aber nicht eingreifen, da sich beide Gruppen friedlich verhielten. Die NDP-Aktiven verteilten weiterhin ihre Infoblätter, die von den Bürgern teils verschmäht wurden. Lediglich ein älterer Wittener schimpfte wütend auf die antifaschistische Demonstrationsgruppe ein. SPD-Stadtverbandsvorsitzender Thomas Stotko appellierte an den Mann, ruhig zu bleiben. Der zog daraufhin von dannen.
Peter Liedtke vom „Bürgernetz für Witten” las Namen und Alter aller während der Nazizeit in Witten getöteten Zwangsarbeiter vor. Jusos hielten währenddessen ein Banner hoch, auf dem die Namen zu lesen waren. Zwei Aktivisten der NPD stellten sich derweil provozierend vor die Menge. Sie grinsten bei der Verlesung der Namen, mal mehr, mal weniger. Als nach etwa 20 Minuten der letzte Name eines Opfers vorgelesen wurde, applaudierten sie höhnisch. Die Demonstranten spendeten ihrerseits deutlich lauteren Beifall – dafür, dass in Witten kein Platz für Rechtsextreme sei.
Quelle: WAZ Witten (16.08.2009)