Politische Extreme treffen in Witten auch gewalttätig aufeinander. Polizei beobachtet Akteure der rechten Szene.
Wer mit offenen Augen durch die Wittener Innenstadt geht, sieht die kleinen und größeren Anzeichen dafür, dass hier zwei politische Extreme aufeinanderprallen. Werden einige Aufkleber oder Graffiti nur durch Kenntnis von Szenecodes verständlich, sind Sprüche wie "Witten bleibt national" oder "Nazis töten ist kein Mord" doch ziemlich eindeutig.
Den Konflikt lösen Rechts- und Linksextreme aber nicht nur mit der Spraydose. Immer wieder kommt es auch zu Gewalttaten. Im Fokus stand dabei das alternative sozio-kulturelle Zentrum "Trotz allem", das mehrfach das Ziel von Übergriffen wurde. Neun politisch motivierte Körperverletzungen registrierte die Polizei im vergangenen Jahr in Witten, fünf begangen durch Personen aus dem rechten Spektrum. Sie sind es, die der Polizei die größten Sorgen bereiten.
"Alle Protagonisten sind uns bekannt", sagt Kriminaloberrat Leo Heitfeld, Leiter des Staatsschutzes im zuständigen Bochumer Polizeipräsidium. Regelmäßige Hausbesuche würden das den Akteuren auch deutlich machen. Auf vage zehn bis 30 Personen beziffert der Beamte den aktiven Kern der rechten Szene. Die örtliche NPD, so Heitfeld, zeige sich bei Demonstrationen gerne gemeinsam mit ihnen und suche auch ansonsten den Kontakt.
Am auffälligsten treten wohl die "Freien Nationalisten Witten" in Erscheinung, bei öffentlichen Veranstaltungen wie auch im Internet. Auf ihrer Webseite kündigen sie den "Befreiungskampf" und das kompromisslose Vorgehen gegen "antideutsche Kräfte" an. Dort werden auch die Namen von vermeintlichen Wittener Antifaschisten genannt, ein Video von einer Antifa-Demonstration wird zum Herunterladen angeboten. "Organisiert die Anti-Antifa!", heißt es auf der Seite. Für die Linke ein klarer Aufruf zur Gewalt. Sie spricht von "Straßenterror".
Für die Polizei ist das "ein Spiel, das auf beiden Seiten Tradition hat". Durch die Veröffentlichung von Namen und mitunter dazugehörigen Gesichtern soll der Gegner eingeschüchtert und möglichst in seiner Nachbarschaft bekannt gemacht werden.
Die nach Polizeiangaben etwa gleich großen linken und rechten Gruppen beobachten sich gegenseitig und kennen einander. "Oft seit früher Jugend", sagt Leo Heitfeld. Der Großteil der politisch Extremen in Witten sei nicht älter als 30.
Neonazis machten in der Stadt zuletzt auf sich aufmerksam, als sie am 17. August die Aufschrift "Rudolf-Heß-Straße" auf ein Straßenschild klebten, 20 Jahre nach dem Tod des Kriegsverbrechers.
Text: Felix Ehlert
Quelle: Ruhr-Nachrichten oder WAZ (21.September 2007)