"Es ist mehr Zivilcourage nötig"

Witten - "Er ist einfach überall, man kann ihm gar nicht entkommen, selbst wenn man es will", beschreibt Manuel Huland ein Problem, das ihm und auch anderen Jugendlichen generell immer wieder und häufiger begegnet: Rechtsradikalismus.

Um mit Vorurteilen aufzuräumen und zu informieren veranstaltete die Quabed gestern gemeinsam mit der vhs im Kreativraum an der Holzkampstraße 7 einen Informationsvormittag für Jugendliche.

"Wir wollen damit erreichen, dass sie, wenn sie zum Beispiel von Rechtsradikalen angesprochen werden, wissen, wie sie reagieren müssen", sagt einer, der es wissen muss. Heribert Seck ist Polizeibeamter bei der Polizei Dortmund und in seinem Kommissariat zuständig für den Staatsschutz.

Volksverhetzung

Er erklärte seinen Zuhörern, welche geheimen Codes Neonazis verwenden und wann ein Verstoß gegen geltendes Recht vorliegt. Wer beispielsweise Teile der Bevölkerung beschimpft, macht sich im Sinne des § 130 StGB der Volksverhetzung schuldig. Geahndet werden kann das je nach Schweregrad mit einer Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren. Doch komme es nur selten zu solchen Verurteilungen, denn "viele Menschen sehen einfach weg" und wenn die Zeugen fehlen "kann die Polizei auch nichts tun", bemängelt er ein gesellschaftliches Problem. Es sei also viel mehr Zivilcourage nötig und Aktionen wie Bündnis gegen rechts, bei dem Unternehmen, Institutionen und Privatpersonen dem Rechtsradikalismus den Kampf ansagen, müssten gefördert werden.

Aussteigen

Ansonsten würden rechte Gruppen noch stärker oder gar zu Vorbildern für die Jugend. "Ist man erst in die Szene abgerutscht, kommt man sehr schwer wieder heraus", weiß Silvia Eilhardt von der Aussteiger-Beratung beim Amt für Jugendhilfe und Schulen in Witten. Unter dem Pseudonym "Max" beschrieb sie einen jungen Mann und seine Schwierigkeit aus der Szene zu entkommen.

Anschließend konnten die Jugendlichen selbst in die Diskussion einsteigen. Die Veranstaltung fand im Rahmen des Projektes "Young Basic" statt, das sozial benachteiligten Jugendlichen im Alter von 18 bis 25 Jahren "eine Orientierung für ihr späteres Berufsleben geben soll", erklärt vhs-Direktor Thomas Eberwien. Seit 2005 führen die Quabed und die vhs das Qualifizierungsangebot für junge Arbeitslose gemeinsam durch. Bewerbungstraining, Exkursionen, Berufswegtraining, Gesellschaftslehre oder neue Medien sollen die Ausgangsposition in ein erfolgreiches Berufsleben verbessern. - ssh

Informationen zu "Young Basic" unter Tel.: 2824625 oder 5818673

Quelle: Ruhr-Nachrichten (19.März 2007)

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